Abenteuer Australien: Queensland, Tip & Red Center

Down Under, Great Barrier Reef & Cape York - Bericht von Herlinde Herkenrath
Mein Partner hatte mir durch seine Erzählungen überaus grosse Lust gemacht, Teile des australischen Kontinents endlich selbst zu entdecken: Cape York mit einem Toyota Cruiser erkunden, Tauchen lernen oder sein Brevier erweitern in Cairns, die Natur des Red Center entdecken, Sydney kennen lernen - das waren die Stationen, die wir gemeinsam für unser abwechslungsreiches Reiseprogramm ausgetüfftelt hatten.

Das tropische North Queensland
beherbergt eine der ursprünglichsten Gebiete des Down Under. Uns, das sind die Weltenwandler Jochen & Herlinde Herkenrath, reizte vor allem, dieses Land auf einem alten Track zu erkunden, über den wir Berichte in einer Motorzeitschrift gelesen hatten. Darin hatten wir natürlich auch über diverse Vorkehrungsmassnahmen gelesen, die man auf einer alleinigen Tour durch die meist menschenleere Landschaft des nördlichen Parts von Australien beherzigen sollte. Aber davon liessen wir uns im Vorfeld nicht beeindrucken, vielmehr von: reizvolle Buschlandschaften mit vogelreichen Lagunen, die sich auf der Cape York Peninsula abwechseln, angrenzend das im Osten sich erstrecktende Great Barrier Reef, North Queensland, ein Gebiet mit wasserreichen, tropischen Regenwäldern, in denen immer wieder schon selten gewordene Tiere zu sehen sind - beste Voraussetzungen für ein aufregendes Abenteuer. Dazu kommt die Nähe des Ozeans, den man riecht, spürt und der einem Respekt einflösst, denn es ist in diesen Küstenbereichen nicht ratsam, an einem traumhaft einsamen Strand unaufmerksam durch das warme Meerwasser zu stapfen. Wir waren auf der Hut, so machten wir keine unliebsame Bekanntschaft mit eines der "Salties", den äusserst beissfreudigen Krokodilen von Queensland.

Wir starteten unseren Track von Cairns aus. Die Tour sollte gut 2 Wochen dauern, wir waren von 29. Oktober - 15. November 1999 unterwegs. Der voraus gemietete Landcruiser stand mit einer kompletten Campingausrüstung bepackt für uns zur Übernahme bei Britz/Koala bereit. Bei den Übernahme-Formalitäten versuchte uns die Agentin bei Britz eine zusätzliche Haftpflicht-Versicherung zu verkaufen. Wir verzichteten darauf, da man uns ausdrücklich darauf hinwies, dass Wasserschäden nicht abgedeckt wären. Durch diese Entscheidung wurde unsere Abenteuerfahrt aber im Endeffekt um CHF 2.500.00 teurer. Schon Monate zuvor hatten wir uns in diversen Büchern Tipps geholt, was man so alles auf einer Buschfahrt mit dabei haben sollte. Besonders informativ erschienen uns die Hinweise aus dem "Off-Road Handbuch Australien" (Klaus. G. Hinkelmann, Pietsch). Zur wichtigsten Ausstattung gehörte die Kopie eines Cape York-Roadbooks, auf der wir unsere Route vermerkt hatten. Wir meinten, wir wären auf alles vorbereitet; doch die Erfahrungen auf unserer Reise zum nördlichsten Ende Australiens belehrten uns eines Besseren. Ein einfaches dünnes Brett oder ein Stück Kunststoff in der Grösse von ca. 50 x 80 hätte uns vermutlich viel Ärger mit der Autovermietung und zusätzliche Kosten erspart.

Zuerst verlief alles wie geplant: Unsere Route führte uns der Küste entlang auf dem Captain Cook Highway nordwärts vorbei am Cape Tribulation und unzähligen traumhaften Aussichtspunkten zum zauberhaften Daintree National Park, in dem wir viele Wasserfälle erwanderten und die tropische Tierwelt bewunderten. Weiter ging es Richtung Cooktown, dem Landungspunkt, an dem Captain James Cook 1770 den australischen Kontinent betrat. Wir durchfuhren den Lakefield National Park und querten dabei die ersten Bachläufe, die zu dieser Zeit Ende Oktober noch wenig Wasser führten. Auf diese "Crossings" hatten wir uns schon lange gefreut, denn die machen einen wesentlichen Reiz auf dem Cape York Track aus. Hier kamen wir auch zum ersten Mal richtig mit dem australischen Buschland in Berührung - mit den waschbrettartigen "Gravelroads", der roten, sandigen Erde, die man bald in allen Körperöffnungen spürt und sich deshalb allabendlich auf ein erfrischendes Bad in einem Flusslauf freut, übermannshohen Termitenbauten, kilometerweiten Eukalyptuswäldern, durchzogen mit unzähligen "Creeks", die es zu durchqueren galt. Diese Wassserläufe verbinden eine lotusumwachsene Lagune mit der anderen, bevor sie im Osten in den Pazifik münden. Auf unserer Fahrt kamen wir auch manchmal an einem Buschfeuer vorbei; nichts Besonderes im Buschland; sie lodern kontrolliert vor sich hin und bilden so die Grundlage für neues Wachstum.

Jeden Abend schlugen wir unser Zelt an einem der in unserer Karte gekennzeichneten wilden "Campsites" oder an einer etwas abseits des Weges gelegenen Stelle meist in der Nähe eines Flusses auf. Nicht immer war uns dabei so ganz wohl, denn die nächtliche Geräuschkulisse verriet uns nicht immer auf Anhieb, ob es sich um harmlose Geckos, um Kröten oder um Sweetwater-Crocodiles handelte, die sich unserem Zeltplatz näherten. Es gab aber auch überraschende Begegnungen mit bekannteren Artgenossen, z.B. edlen Wildpferden, die an einem Morgen in der Nähe der Bob`s Lagoon, als wir gerade aus unserem Zelt herauskrochen, in angemessener Entfernung zu beobachten waren. An diesem Tag hatten wir auch eine der seltenen Aufeinandertreffen mit anderen Trackern, die mit - Navigationssystem und Laptop ausgestattet - sich ebenso wie wir (die wir nur zwei halbwegs genaue Karten zur Navigation benutzten) auf der Suche nach einem Weg durch den Rockeby National Park entlang dem Coen River befanden. Auch ihnen blieb an diesem "Ende der Welt" nichts anderes übrig, als ein ordentliches Stück Weg zur Peninsula Developmental Road zurückzufahren, um die Reise nordwärts Richtung Cape York fortsetzen zu können.

Unser nächstes Ziel lag hinter der weiten Ebene der Sir William Thompson Range am Pazifik: Chili Beach. Ein traumhaftes, einsames Fleckchen auf unserer schönen Erde! Gerne hätten wir einige Tage hier verbracht, aber unsere Routenplanung sah die Weiterreise nach einer Übernachtung vor. Es war auch gut, dass wir uns von der natürlichen Schönheit nicht überwältigen liessen: Die berechnete Zeit für unseren Track sollte schon bald knapper werden, als jemals erwartet. Wir wussten, dass wir das Cape erreichen und bereits wieder auf dem Rückweg südlich des Archer River sein mussten, bevor die Regenzeit beginnen würde, um nicht für Wochen auf der Peninsula festzustecken. Und die ersten nassen Vorboten hatten wir schon zu spüren bekommen! Wir folgten mit Interesse dem Bericht des Roadbooks, das von der unglaublichen Naturschönheit entlang des Frenchman`s Track mit seiner wunderbaren Pflanzenwelt im Herzen der Great Dividing Range erzählte.
Diese Erfahrung wollten wir uns nicht entgehen lassen. So machten wir uns auf den Weg zum nächsten Punkt unserer Route, vorbei am Mount Tozer und einem ausgetrockneten wilden Canyon zum legendären Pascoe River, von dem wir wussten, dass er selbst in der Trockenzeit noch beachtliche Wassermassen mit sich führt. Ich habe noch das traumhafte Bild vor mir, als mein Mann sexy die Shorts hochzog und furchtlos in das erfrischende klare Nass trampte, um die günstigste Furt zur Durchquerung des reissenden Creeks zu erkunden. Er meisterte wie schon so oft auf dieser Tour die vorausberechneten und auch die unerwarteten Stellen bravourös, denn die Strömung trieb uns von der gängigen Furt ab. Dann aber kamen wir an den nächsten Creek, der uns noch leidige Folgewirkungen bescheren sollte: "The damned slippery white hole"! Es handelt sich um einen weiss-sandigen Creek, den man auf dem Weg zum Wenlock River notgedrungener Massen durchqueren muss. Alles Testen vorab nützte nichts: Auf der schlüpfrigen steilen Spur hinunter zur Furt rutschte der Wagen seitlich unkontrollierbar ab und prallte so mit zu hoher Geschwindigkeit auf die Wassermasse auf. Der Propeller wurde anscheinend ruckartig an die Rippen des Kühlers gedrängt, sodass ein Rotorblatt die Kühlerwand durchbrach. Dieses Missgeschick merkten wir erst am nächsten Morgen nach einer Nacht an einem Camping Ground im sandigen Flussbett des Wenlock River. In meinem Roadbook vermerkte ich bei Sonnenuntergang noch: "Camping in Paradise". Die Weiterfahrt entpuppte sich alles andere als paradiesisch, denn die Temperaturanzeige mahnte uns unerbittlich und wir mussten jeweils nach 1 km Fahrt anhalten und Wasser in den Kühler nachfüllen, das unablässig unten wegtropfte.

Die mit den allerneuesten technischen und elektronischen Errungenschaften zur Funktionsüberwachung ausgestatteten Geländewagen sind weitaus nicht mehr so belastbar, wie die älteren Vorgängermodelle. Die meisten Australier sind selbst mit Toyota Landcruisern im Buschland unterwegs, doch sie schwören auf die Down Under bewährten, meist schon etwas verbeulten Modelle, die nicht sogleich einen Schaden am Motor davontragen, wenn man einen Creek quert, der mehr als 50 Zentimeter Tiefe aufweist. Doch diesen Tipp erhielten wir erst, als wir in der weiten Einsamkeit des australischen Niemandslandes mit dem Wasser verlierenden Kühler unterwegs waren. Eine besondere Fügung meinte es noch gut mit uns, denn wir hätten damit rechnen müssen, dass uns auf dieser Strecke stunden- oder auch tagelang niemand anders begegnet, als Kröten, Känguruhs und verschiedene Kriechtiere. Doch der "Gott der Gravelroad" meinte es gut mit uns, denn als wir am Ausgang der Iron Range wieder auf die Hauptroute trafen, kam uns von Norden ein Wagen entgegen, der unser Missgeschick bemerkend, sofort anhielt.

Es gibt wahrlich nichts Wichtigeres in Down Under, als einen hilfsbereiten, unkomplizierten Australier, der noch dazu weiss, wo sich die nächste Werkstätte von Toyota befindet. Dass diese mehr als 100 Kilometer entfernt am anderen Ende der Halbinsel entfernt lag, hinderte diesen dankbaren Helfer und seine Frau nicht daran, uns sofort beizustehen. Das Paar änderte kurzentschlossen seine Pläne und schleppte uns bis nach Weipa mit seinem Abschleppseil, denn das unsere war unbrauchbar, weil zu kurz. Dieser nicht geplante Streckenabschnitt gehörte also zum grossen "Erlebnis North Queensland", doch scharf waren wir nicht gerade, die entlegene, weitgehend uninteressante Bergwerksstadt Weipa zu beehren. Dieser Abstecher zum Gulf of Capentaria blieb uns aber nicht erspart, denn hier befand sich der einzige Flugplatz weit und breit. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Toyota-Werkstätte hier so begehrt. Wir versuchten, die aufgezwungenen Wartetage auf den neuen Kühler und ein Ventil an der Albatross Bay am Indischen Ozean so erholend wie möglich zu nutzen, doch es wurde uns unweigerlich bewusst, dass wir diese 5 zusätzlichen Tage nicht im Zeitplan einberechnet hatten. Dies bedeutete, dass wir darüber entscheiden mussten, das Risiko der immer näher rückenden Regenzeit einzugehen, oder an diesem entlegenen Ort die Umkehr nach Cairns einzuleiten.

Wir kamen zu dem Entschluss, das ersehnte Ziel Cape York erreichen zu wollen. Auf dem Weg weiter nach Norden entlang der Old Telegraph Road bekräftigte uns eine unglaubliche Flora und Fauna in unserem Vorhaben. Die abendliche Rast an den traumhaften PLätzen am Canal Creek und an den Eliot Falls belohnte uns tausendfach für unsere Entschlossenheit. Das erotische Bad unter dem prickelnden Wasserfall der Twin Falls wurde zu einem der eindrücklichsten Erlebnisse auf unserer Fahrt. Es wurde immer heisser aber auch feuchter auf dem Weg zum "Tip", dem nördlichsten Punkt des Australischen Kontinents. An der Punsand Bay schlugen wir unser Zelt auf und am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Nordcap Australiens: "Pajinka" heisst das Cape in der Sprache der Aboriginies. Ein wundervoller Platz, an dem der Indische Ozean auf den South Pazifik trifft und sich die verschiedenfarbigen kristallenen Wasser tosend zu einer berauschenden Energie vermischen.

Nun hatten wir keine Zeit mehr zu verlieren, zurück in den Süden der Cape York Peninsula zu kommen. Ein romantischer Sonnenuntergang am Jardine River im gleichnamigen National Park entschädigte uns für die vorangegangenen äusserst feuchten Fahrstunden an diesem Tag. Dass uns am nächsten Morgen bei der Durchfahrt eines Wasserlochs nochmals beinahe das gleiche Missgeschick mit dem Kühler passiert war, wie bei der Hinfahrt zum Tip, würden wir erst bei der Rückgabe des Wagens in Cairns erfahren. Gottlob wussten wir zu diesem Zeitpunkt nichts über den Ärger, der uns später widerfahren sollte, so genossen wir unsere Weiterfahrt und machten noch an vielen traumhaften Plätzen halt. Kurz bevor wir nach ersten Regentagen den nun wesentlich mehr Wasser führenden Archer River zum zweiten Mal durchfuhren, gelang mir endlich der erhoffte Klick: Ich schoss ein Foto von einem Kanguruh - leider nur beim Vorbeihopsen und noch dazu fast nicht erkennbar im tarnenden Hintergrund.

Einen krönenden Abschluss unseres Tracks bildeten die kunstvollen Malereien der Guguyalong Galleries der Aborigines am Split Rock in Laura. Diese magische Stätte ist Zeugnis einer hochentwickelten Kultur eines Naturvolkes, dessen Lebensweise und Weisheit wir auf dieser Fahrt zu würdigen lernten. Allein die Wanderung hinauf zu den natürlich überwachsenen Stein-Kolossen ist atemberaubend. Unvergesslich aber sind nicht zuletzt die frühgeschichtlichen Malereien der Aborigines, die sie auf ihren Reisen durch den Kontinent hinterliessen.

Mit einem Abstecher nach Kuranda, dem touristischen Schauplatz im Regenwald von North Queensland, hatte uns die Zivilisation wieder eingeholt. Zurück in Cairns, lenkten wir unsere Erinnerung auf die abenteuerlichen Tage unseres Tracks, um die misslichen Erfahrungen mit der nervenraubenden, kostspieligen Automietung von Britz / Koala schneller vergessen zu können.

Die weiteren, bereits im Voraus gebuchten Teilstrecken unserer Rundreise auf dem Australischen Kontinent zwischen 16. Nov und 15. Dez 1999 lenkten uns schnell von den misslichen Erlebnissen auf unserer Cape York Tour ab, die so einiges an bestimmt in Erinnerung bleibenden Erkenntnissen brachte. In Cairns hielten wir uns noch acht Tage für einen Tauchkurs auf und liessen die wundervollen Unterwasserwelten des Great Barrier Reef sowie die Didgeridoo Künste eines Aborigines kundigen Diving Instruktors auf uns einwirken. Mit einem Flug nach Ayers Rock ging es weiter ins Red Center, wo wir den Uluru, wie die Aborigines ihr wichtigstes Heiligtum liebevoll bezeichnen, aber auch die ebenso schönen Felsformationen von Kata Tjuta und auf einer Bustour die wundervolle Natur und die eindrucksvolle Geologie des Kings Canyon genauer erkundeten, bevor wir Alice Springs erreichten. Mit einem Flug ging es zurück an die Ostküste des Kontinents, nach Sydney.
Den Abschluss unserer gut 6-wöchigen Reise nach Australien bildete der Besuch der Weltstadt Sydney, die sich auf die Olympiade im darauf folgenden Jahr vorbereitete und sich uns von den für die Spiele schon ziemlich aufgemöbelten Seite darbot.
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Reisebericht Australien
von Herlinde Herkenrath